Bibliothekarische Reise durch die Niederlande - eine Nachlese

Von 22. bis 27. März 2017 verschlug es neun Mitglieder des Vorstands und der Geschäftsstelle des BVÖ zusammen in die Niederlande, wo in Den Haag ein Treffen der deutschsprachigen Verbände (dbv, BVÖ, VÖB, BIS) mit IFLA, EBLIDA und LIBER zur Optimierung der europäischen und internationalen Lobbyarbeit stattfand. Wir nutzten dies auch als Gelegenheit, um die niederländische Bibliothekswelt genauer zu erkunden.

Gouda

Die erste Station der bibliothekarischen Bildungsreise war Gouda. Die Bibliothek ist seit 2012 zusammen mit einem Archiv, einer Druckerwerkstatt und einem Café in einer ehemaligen Schokoladenfabrik untergebracht. Es ist noch deutlich zu erkennen, dass das Gebäude früher eine Fabrik war, aber man hat aus der Not eine Tugend gemacht und so versprüht die Bibliothek einen gewissen Industriecharme. Lange Öffnungszeiten (täglich 9-21 Uhr) und das harmonisch integrierte Café laden dazu ein, ausgiebig in den etwa 60.000 Medien zu stöbern. Mit diesem gelungenen Konzept verdiente Gouda sich den Titel "Beste Bibliothek der Niederlande 2015/2016".

Markierungen am Boden zeigen die Bereiche der einstigen Fabrik.

 

Almere

Ein Kontrastprogramm erwartete uns am nächsten Tag in "De Niuwe Bibliotheek" Almere, die sich auf vier Standorte in der Stadt verteilt. Die Zentralbibliothek mitten im Stadtzentrum wurde 2010 eröffnet. Auf vier Stockwerken sind nicht nur die zahlreichen Medien, sondern auch ein Theater, ein Café, 79 Computerarbeitsplätze, ein Seminarraum, mehrere Konferenzräume und ein Studienbereich mit Einzelarbeitsplätzen untergebracht. Das elegante Design in schwarz-weiß wird durch farblich gekennzeichnete Themenbereiche, die sogenannten "Shops", aufgelockert, in denen vom Sachbuch über Belletristik bis hin zu Hörbüchern thematisch alles beieinander zu finden ist.

 

Amersfoort

Von Almere aus ging es weiter nach Amersfoort, wo sich die Zentralbibliothek "Het Eemhuis" seit 2014 direkt neben dem historischen Stadttor befindet. Unter dem futuristisch anmutenden Dach befindet sich nicht nur die Bibliothek, sondern auch das Stadtarchiv, ein Café, ein Ausstellungszentrum und eine Schule für Tanz, Musik und bildende Künste. Herz der Bibliothek ist eine große Freitreppe, die als Zeitschriftendisplay funktioniert und gleichzeitig eine große Zahl von Arbeitsplätzen zur Verfügung stellt. Wie die Bibliotheken in Gouda und Almere hat auch jene in Amersfoort täglich geöffnet.

 

Amsterdam

Als letzte Station unserer Reise besuchten wir die OBA, die Openbare Bibliotheek Amsterdam. Die Zentralbibliothek in der Nähe des Bahnhofs erstreckt sich über beeindruckende sieben Etagen und zählt am Tag 5000 bis 6000 Besucher. 1,3 Millionen Medien, fast 500 Computerarbeitsplätze, viele Entspannungszonen, ein Restaurant, über 10.000 Arbeitsplätze, eine großzügig angelegte Kinderabteilung, Makerspaces - die OBA ist wahrlich eine Bibliothek der Superlative.

Trotz ihrer Vielfältigkeiten hatten die Bibliothek doch eines gemeinsam: Mit ihrem großzügigen Platzangebot und integrierten Cafés bzw. Restaurants luden sie alle zu längerem Verweilen ein - dank der langen Öffnungszeiten auch am Wochenende.

Es war eine spannende Reise, die uns nicht nur den hohen Stellenwert der Bibliotheken in den Niederlanden demonstriert hat, sondern von der wir auch viele Ideen und Inspiration mit nach Hause nehmen konnten.

 

(c) Text und Fotos: Judith Oliva

Kommentare

Bild des Benutzers Susanne Tretthahn

<p>Vielen Dank für den Bericht und die schönen Fotos!</p>

Es war wirklich eine tolle Reise und so viele Eindrücke. Sehr gut organisiert. Danke :-)

Liebe Judith, beeindruckende Fotos, war sicher eine spannende Zeit!

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