De Delftse Blauw

Die Stadt Delft ist bekannt für Keramik und speziell für die blauen Dekorationen darauf - De Delftse Blauw. Ich konnte gestern Vormittag in der Manufaktur De Royale Porceleyne Fles einen Einblick in die Herstellung dieses bekannten Produktes gewinnen. Spannend ist, dass die Malereien auf der Keramik erst nach dem Brennvorgang blau werden, aufgetragen wird eine schwarze Farbe und durch eine chemische Reaktion während des Brennvorgangs entsteht die typische Färbung. Natürlich durfte auch ein kurzer Spaziergang durch die Delfter Altstadt nicht fehlen, die ebenfalls ein typisch niederländisches Stadtbild aufweist.

Zu Mittag bekam ich eine Führung durch das Archiv Goudas. Bei meiner Aufzählung im letzten Beitrag über die Kooperationspartner der Bibliothek in Gouda habe ich das Archiv nicht erwähnt, da für den Nutzer eigentlich kaum ein Unterschied besteht, allein der Träger ist ein anderer. Im Lesesaal kann man sowohl die Bibliotheks- als auch die Archivbestände nutzen. Die einzige Vorgabe ist, dass an den Archivtischen nicht gegessen und getrunken werden darf. Ansonsten ist die Nutzung sehr frei und offen. Dieses System ist eine Novität im Archivwesen und bedurfte anfänglich einiger Überzeugungsarbeit. Die Kolleginnen des Archivs haben mir versichert, dass diese Offenheit die Sichtbarkeit des Archivs in der Öffentlichkeit erhöht hat, die Archivstücke aber keineswegs unter diesem anderen Zugang gelitten haben. Am Nachmittag durfte ich dann einem Treffen mit Kollegen aus Amstelveen beiwohnen, die sich vor allem für die Programme zum Thema Robotics interessiert haben.

Die Bibliothek Gouda besitzt einige Roboter mit denen sie Workshops anbieten. So wird auf die Programmierung von Robotern eingegangen und dies auch in unterschiedlichen Levels angeboten. Diese wunderbare Idee wurde dann heute in einem Gespräch mit einem Kollegen von Probiblio weitergedacht und weiterentwickelt. Viele Bibliotheken in den Niederlanden verfügen bereits über Roboter oder 3D-Drucker, nun geht es darum, diese auch sachgemäß einzusetzen und ein Netzwerk zu schaffen.

Am Nachmittag besuchte ich das Rotterdamer Äquivalent zu unserer Hauptbücherei in Wien. Rotterdam hat eine große und 15 kleinere Zweigstellen. Es gibt eine Zweigstelle beim Bahnhof, die relativ speziell ist, zusätzlich eine eigene Musikbibliothek und einen  Bücherbus. Der Bücherbus ist allerdings schon relativ alt, weshalb darüber nachgedacht wird, kleinere, funktionalere Busse anzuschaffen. Da die Hauptbücherei in Rotterdam schon länger besteht, ist eine Renovierung in Planung, die einen Makerspace mit Robotern, 3D-Druckern usw. vorsieht. Die Hauptbücherei beherbergt auch die weltweit größte Sammlung von Schriften von und über Erasmus von Rotterdam. Auch hier wird das Konzept der gegenseitigen Wechselwirkung und dem Zusammenspiel alter und neuer Medien deutlich. Zusätzlich gibt es ein Theater und Räume die angemietet werden können, darunter auch welche, die mit Instrumenten ausgestattet sind.

Eine anregende Diskussion über bibliothekarische Kennzahlen und deren Funktion bei der Positionierung der Bibliotheken innerhalb der Gesellschaft konnte den Besuch der Hauptbücherei in Rotterdam abschließen. Dass man in den Niederlanden oft schneller mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder natürlich dem Fahrrad (für kürzere Strecken) von A nach B kommt, mussten wir feststellen, als wir am Weg zum Abendessen in Amsterdam im Stau steckten. Beim gemeinsamen Abendessen konnten wir noch mal die anregenden Gespräche mit den Kollegen Revue passieren lassen und die wunderbare Aussicht auf den Hafen Amsterdams genießen (wenn es nicht so regnerisch und nebelig gewesen wäre, hätte ich eindeutig noch mehr gesehen).

© Text und Fotos Lucia Laschalt

Kommentare

Liebe Lucia, danke für deinen eindrucksvollen Blog-Beitrag, der in vielerlei Hinsicht mein Interesse geweckt hat: offene Archive, eine weitsichtige Entscheidung, neue Technologien und innovative Raum- und Veranstaltungsideen bauen auf Bewährtem auf; und da wie dort enorm wichtig, der Blick auf die Zahlen.... Ach ja, dein Bericht aus der Manufaktur erinnert mich an zwei meiner Lieblingsstücke im Geschirrschrank, jeweils ein Kaffeehäferl aus Sylt und Hamburg, zwar mit weniger berühmter Herkunft, aber auch schön blau. Weiterhin gute Reise!

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